Großmutters Onggi-Krug steht noch im Hof. Der Deckel ist ein wenig gesprungen, und Moos hat sich angesetzt. Darin ist nichts: kein Doenjang, kein Gochujang, nichts. Und doch steigt noch immer ein tiefer alter Geruch auf, wenn ich den Deckel öffne.
Jeden Morgen pflegte Großmutter die Krüge. Sie wischte sie sorgfältig mit einem weißen Taschentuch ab. Ich kauerte neben ihr und betrachtete ihre faltigen Hände. Sie lächelte wortlos und spritzte mir ein wenig Krugwasser ins Haar.
An dem Tag, als Großmutter starb, bekam der Krug noch einen Riss. Ohne dass jemand es sah, fuhr ich diesen Riss mit dem Finger nach. Vielleicht war das der letzte Gruß, den ich ihr gab.
Jetzt fühlt es sich jedes Mal, wenn ich diesen Krug öffne, an, als säße ich in Großmutters Küche. Ich lege diesen Brief in den Krug. Großmutter wird ihn wohl nicht lesen können. Trotzdem werde ich jeden Frühling einen neuen Deckel kaufen.
